Biowein – hochwertig, ehrlich und gesund
… sollte der Biowein sein. Dieses ehrgeizige und am Anfang der Bioweinbewegung formulierte Ziel ist jedoch nicht nur mit dem Verzicht auf Chemikalien zu erreichen. Noch schwieriger ist es für den Verbraucher, nachzuvollziehen, was damit gemeint ist. Deshalb hier einige Hintergrundinformationen zur Entstehung des modernen Bioweinbaus und über die Gründe ihrer Protagonisten.
Während der Aufbruchphase der Ökobewegung zwischen 1970 bis 1985 waren es für manchen Winzer ideologische, oft auch agrarpolitische Gründe die zur Einführung des ökologischen Weinbaus führten. Andere machten sich Sorgen um den schlechten Zustand und die schwindende Fruchtbarkeit ihrer Weinbergsböden. Auch die negativen Auswirkungen der eingesetzten Spritzmittel auf ihre eigene Gesundheit war für viele ausschlaggebend für einen Wandel. Es gab aber auch Produzenten, die in der Umstellung zum ökologischen Weinbau eine Möglichkeit sahen, ihre Weine überhaupt vermarkten zu können. Vielen Winzern im Herault und im Languedoc, aber auch in Sizilien oder Apulien war es kaum möglich, Wein anders als zum Brennen von Industriealkohol loszuwerden. Dies konnte die Kosten des Weinanbaus kaum decken. Alle diese Betriebe erhielten bis 1992 keine EU – Zuschüsse zur Einführung der ökologischen Wirtschaftsweise. Viele Winzer, die später zum ökologischen Weinbau konvertierten, taten dies ausschließlich wegen großzügiger finanzieller Beihilfen. Es geht hier nicht darum, über die Beweggründe zu richten, die aber Auswirkungen auf die erzeugte Weinqualität haben können. Welche Qualitäten in einem Weingut erzeugt werden, hängt vom angestrebten Marktziel und der Vermarktungswege ab. Der auf Biowein spezialisierte Fachhandel wird andere Qualitäten fordern als der Naturkosthandel oder Supermärkte.
Bedauerlicherweise handelt es sich bei ökologisch erzeugten Weinen nicht automatisch um hochwertige Weine, ehrliche und gesunde Weine. Relativ sicher ist nur die Rückstandsfreiheit oder Rückstandsarmut von Pflanzenschutzmitteln und die Tatsache, dass umweltrelevante Belange bei der Produktion eingehalten wurden. Auf die Idee, dass Ökoweine einen vollkommenen Genuss und damit Freude bereiten können, müssten viele ökologisch orientierte Weintrinker erst noch kommen. Welcher nur mittelmäßig Weininteressierte kennt schon die Voraussetzungen zur Erzeugung guter Weine? Wie ließe es sich sonst erklären, dass selbst im Naturkosthandel, wo deutlich höhere Lebensmittelpreise akzeptiert werden, sich mit wenigen Ausnahmen fast nur die billigsten Weine verkaufen lassen? Dabei kann es sich nur um Weine handeln, die sich hinsichtlich der hohen Erntemengen und der schwachen Qualität nicht von den „Massenweinen“ des konventionellen Handels unterscheiden. Leider findet sich auch unter den Biowinzern eine Spezies, die glaubt alles billiger und schlechter machen zu können. Der Kunde merkt es ja nicht. Die bedauerliche „Geiz ist Geil“ Mentalität trägt ihren Anteil an dieser Entwicklung bei.
Qualität muss schmeckbar sein, aber darf nicht darauf reduziert werden. Denn auch dem Ökowinzer stehen zahlreiche Möglichkeiten offen, bei Weinen denen die natürliche Voraussetzung fehlt, im Keller etwas nachzuhelfen und zu „schönen“ wie der fachliche Ausdruck dafür lautet. Echte Qualität zu erzeugen ist schwierig, mühsam und teuer. Sie gelingt nur, wenn man die Erträge durch den Rebschnitt im Frühjahr auf 30 – 60 hl/ha begrenzt, die Reben während der ganzen Vegetationszeit sorgsam pflegt, die Weinlese per Hand in mehreren Durchgängen durchführt um nur die optimal reifen Trauben zu ernten (nicht alle Trauben besitzen zur gleichen Zeit den gleichen Reifegrad), möglich nur frühmorgens bei kühler Temperatur, die Trauben in kleinen Stapelbehältern und nicht in großen Wannen bis zur Weiterverarbeitung zwischenlagert und sie so schnell wie möglich presst bzw. einmaischt. Im Gegensatz dazu steht die Ernte mit Erntemaschinen, die nicht nur reife, sondern auch faule, unreife, schimmelige Trauben, Insekten, Mäuse, Vogelnester, Zweige und Blätter miterntet und alles zusammen aus Kostengründen in die Presse oder Gärbottich gelangt. Dass Investitionen in eine moderne Kellereinrichtungen, sowie Sauberkeit und sorgfältige Arbeit im Keller ebenso Voraussetzung zur Erzeugung guter Weins sind, dürfte verständlich sein. Dass alles zusammen großen finanziellen Aufwand erfordert, der über den Verkaufspreis ausgeglichen werden muss, ebenso. Auch Bioweintrinker sollten sich bewusst sein, dass billige Weine nicht mehr wert sind, und dass andererseits teure Weine nicht automatisch gut sind. Denn nicht alle Biowinzer können oder wollen gute Weine erzeugen. Sie können aber alle rechnen und haben nichts zu verschenken! Deshalb ist es wichtig, Wein von einem zuverlässigen Winzer oder Händler, und vor allem nur Originalweingutabfüllungen zu kaufen. Angesichts der aufgeführten Kriterien für die Erzeugung von Bioweinen erregen Angebote im Naturkosthandel für weniger als € 2,50 für einen Liter Biowein den Verdacht, dass es dabei nicht mit „rechten Dingen“ zugehen kann? Diese Weine kommen aus Spanien, Frankreich, Italien oder Griechenland. Nach Deutschland werden sie in Tankfahrzeugen transportiert. Hier werden sie in Mehrwegflaschen abgefüllt, was bei umweltbewussten Verbrauchern besonders gut ankommt. Ihnen scheint der Rücktransport, das Reinigen und Wiederbefüllen der leeren Flaschen umweltfreundlicher und wichtiger zu sein, als die Weinqualität. Ich gebe zu bedenken, dass viele Winzer bei der Vermarktung zweigleisig fahren, d.h. sie verkaufen ihre besseren Weine in Flaschen die sie selbst abfüllen und mit eigenen Etiketten versehen. Da weiß man wo der Wein herkommt, denn nicht nur der Name des Winzers sondern auch seine Adresse steht auf dem Etikett. Die schwächeren, oder schlechteren Weine verkauft er an Händler, die aufgrund der Weinüberproduktion in der Lage sind, enormen preislichen Druck auf die Erzeuger auszuüben. Viele von ihnen stehen in finanzieller Hinsicht mit dem Rücken zur Wand. Sie sind zwar froh ihre Weine überhaupt verkaufen zu können, fürchten jedoch permanent um ihre Existenz. Wenn hier Händler von sozialer Verantwortung reden, dann denken sie wohl vor allem ihre eigene finanzielle und soziale Position. Abgesehen davon, leidet die Qualität von Wein durch mehrmaliges Umpumpen vom Fass in den Transporttank, vom Transporttank in den Tank der Abfüllanlage wobei er ständig mit Sauerstoff in Berührung kommt, der Essigbakterien enthält und den Wein kontaminiert. Erneutes Stabilisieren mit Schwefel und wiederholtes Filtern wird erforderlich. Schließlich kann kein Verbraucher nachvollziehen, woher solche Weine wirklich kommen. Es lohnt sich also, genau hinzusehen und zu unterscheiden zwischen liebloser Massenware und guten Bioweinen.