Biowein – im Wandel der Zeit

Erzeuger und Händler von Biowein wurden noch vor 20 Jahren allgemein als „grüne Spinner“ betrachtet. Seither sind die ökologisch bewirtschafteten Weinbergflächen auf 2 – 3 % der Gesamtanbaufläche (je nach Region) gewachsen. Auch das Bild in der Öffentlichkeit hat sich aufgrund der überdurchschnittlichen Bioweinqualität verbessert. Doch noch immer scheuen sich ökologisch arbeitende Topwinzer, sich durch einen Hinweis auf den Flaschenetiketten, sich als Biowinzer zu „outen“. Sie befürchten,  ihrem Image zu schaden und Umsatz einzubüßen. Biowein zu verkaufen ist also kein Selbstläufer oder Verkaufsschlager. Ausgehend von den Erfahrungen der letzten 20 Jahre, wird die Akzeptanz weiter zunehmen. Es ist schön zu lesen, dass sogar Wolfram Siebeck (Gourmetautor, der früher nichts positives über „Bio“ verfasste), heute voller Anerkennung darüber schreibt. Auch Carlo Petrini, der Gründer der Slow Food-Bewegung gibt seinem Verein eine neue Richtung vor, indem er sich über den Qualitätsbegriff Gedanken macht. „Qualität müsse auf drei Säulen ruhen: Geschmack, Natur und Umwelt und die soziale Seite. Wer Nutztiere misshandele, die Erde vergifte, könne keine Qualität produzieren. Wer den Boden bearbeite, müsse aber auch gut bezahlt und mit Respekt behandelt werden. In Kalifornien erlebe man derzeit einen Bio-Boom mit herrlichen Produkten. Aber die Mexikaner die den Boden bestellen, werden wie Sklaven behandelt, das ist keine Qualität. Im italienischen Anbaugebiet Barolo werde ein wunderbarer Wein produziert. Aber die Winzer würden hemmungslos die Flächen ausweiten und den Wald abholzen. Ihnen fehle jeder Respekt vor Natur und Umwelt, auch das ist keine Qualität. Wer bei der Beurteilung eines Produkts nur an die organoleptischen Eigenschaften denke, sei ein Dummkopf, sagte Petrini.“ 

Obwohl der Begriff „Biowein“ allgemein gebräuchlich ist, entspricht er nicht der offiziell vorgegebenen Bezeichnung, wonach er als „Wein aus ökologisch erzeugten Trauben“ genannt werden müsste.
Nach jahrelangen Bemühungen der Ökoanbauverbände wurde 1991 von der EU eine einheitliche Verordnung (CEE N° 2093/91) zur Produktion und Vermarktung von „Biowein“ erlassen. Bis dahin untersagte das Weingesetz alle Hinweise auf Etiketten, Preislisten und Katalogen, die darauf hinwiesen, dass es sich dabei um umwelt- und verbraucherfreundliche Weine handelte.

Folglich wurde in dieser Verordnung nur die Arbeitsweise im Weinberg geregelt, die nachprüfbar sein musste. Zu diesem Zweck wurden unabhängige staatlich zugelassene Kontrollorgane gegründet.  Ihre Aufgabe ist es, Analysen von Boden, Pflanzen und Endprodukten vorzunehmen, aber auch die Buchführung der Betriebe hinsichtlich gekaufter und verwendeter Hilfsmittel kontrollieren. In die gesetzlichen Vorschriften für die Weinbereitung wurde nicht eingegriffen, denn wie bereits gesagt, handelt es sich offiziell nicht um Biowein sondern um Wein aus ökologisch angebauten Trauben.

Um „Bioweine“ erzeugen und als solche vermarkten zu können, ist es Biowinzern nicht erlaubt, Herbizide, chemisch-synthetische Stickstoffdünger, Harnstoffe (Jauche), leicht lösliche Phosphatdünger, Klärschlämme, Müllklärschlammkomposte, frischer Hühnermist. Chemisch-synthetische Insektizide, Akarizide, Nematiziden und organische Fungizide zu verwenden.

Damit ist ein wichtiger Schritt zur Verringerung der Boden- und Gewässerbelastung durch Nitrate, Phosphate und den Rückständen aus Pflanzenschutzmitteln getan. Ein für Verbraucher wichtiger Nebeneffekt ist natürlich die Rückstandsfreiheit, oder zumindest die annähernde Rückstandsfreiheit von Pflanzenschutzmitteln im Wein. Was nicht gespritzt wird, kann nicht in den Wein gelangen. Ausnahmen treten dann auf, wenn Spritzmittel aus Nachbars Weinberg durch den Wind eingetragen werden.

Sofern sich Winzer durch ihre Mitgliedschaft bei Öko-Anbauverbänden verpflichten, deren Vorgaben hinsichtlich der Weinbereitung einzuhalten, oder Nichtmitglieder aus freiem Willen auf zahlreiche in der konventionellen Weinwirtschaft zugelassenen Verfahren und Kellerhilfsmittel verzichten, kann davon ausgegangen werden, dass Bioweine weniger manipuliert werden als konventionell erzeugte Weine. 


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