Die Jünger Jesu Christi

Ähnlich wie die Gesetzeslehrer oder auch Johannes der Täufer hatte auch Jesus „Schüler“ (so wörtlich), die ihm auf seinen Wanderungen folgten und sich seiner Autorität unterstellten. Wobei zu beachten ist, dass im Neuen Testament mit Jünger nicht nur die zwölf Apostel (Petrus, Andreas, Jakobus, Johannes, Philippus, Bartholomäus, Thomas, Matthäus, Jakobus II, Thaddäus, Simon und Judas) gemeint sind, sondern darüber hinaus noch ein weiterer Kreis von Männern. Auch viele Frauen befanden sich im Gefolge von Jesus; der geprägte und für die Jüngerschaft typische Ausdruck „Nachfolge/nachfolgen“ wird auf sie ebenso angewandt wie auf die Männer. Wo Lukas in Lukas 6,17 von der „großen Menge der Jünger“ spricht, sind die Frauen zweifellos mitgemeint und in der Apostelgeschichte von Lukas wird „die Jünger“ endgültig zur Bezeichnung für die Gemeinde als Ganzes, Männer und Frauen, weshalb in manchen Bibelübersetzungen auch schon von „Jüngern und Jüngerinnen“ gesprochen wird.

Beim jüdischen Rabbi gehörten die Schüler bzw. Jünger für die Zeit ihrer Ausbildung zum Haushalt ihres Lehrers und bildeten mit ihm eine Lern- und Lebensgemeinschaft. Bei öffentlichen Auftritten ging der Meister voran, seine Schüler folgten ihm in angemessenem Abstand. Wenn Jesus durch das Land zog, muss sein Erscheinungsbild in vielem dem eines solchen Rabbis mit dem Kreis seiner Jünger geglichen haben. Der Unterschied war, dass Jesus keinen festen „Haushalt“ hatte, er hatte später nicht einmal mehr eine feste Wohnung. Somit waren seine Jünger gezwungen, seine Heimatlosigkeit und Ungeborgenheit zu teilen. Sie mussten für ihre Ausbildung auch nichts bezahlen, und wie ihr Meister lebten auch sie in materieller Anspruchslosigkeit, ganz vertrauend auf die Fürsorge Gottes, der für sie in besonderer Weise zum Vater wurde, wie er es für Jesus war.

Es gibt einen weiteren wichtigen Unterschied zwischen den damaligen Rabbis und Jesus. Bei den Rabbis war es so, dass potentielle Jünger zu diesen kamen und sich quasi „bewarben“. Bei Jesus war es umgekehrt. Er ergriff die Initiative und erwählte sich seine Jünger. Er berief diejenigen, die er wollte zur Nachfolge.

Im sogenannten Missionsbefehl Jesu (Matthäus 28,19), ruft der Auferstandene Jesus die Jünger dazu auf, die Menschen aller Völker auch zu Jüngern zu machen. So soll das Evangelium bis in die letzten Winkel der Erde getragen werden. Deshalb gibt es auf der ganzen Welt Missionare, die genau das tun. In diesem Sinne gilt jeder gläubige Christ als Nachfolger Jesu, also als sein Jünger.


Dieser Fachartikel passt thematisch zu Gemeinde, Jesus Schüler, Missionare, Nachfolger, Rabbi, zwölf Apostel.
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