Feng Shui – traditionelles Wissen für eine moderne Architektur
Feng Shui, die aus China stammende Lehre über die Zusammenhänge zwischen dem Menschen und seiner Umwelt hat auch hier im Westen inzwischen einen großen Stellenwert erhalten. Vor allem bei Planung und Einrichtung von Wohn- und Geschäftsräumen hoffen Viele darauf, Erfolg, Gesundheit und Glück durch Feng Shui zu beeinflussen. Das Bedürfnis, dieses Wissen zu ergründen wächst zusehends. Ständig erscheinen neue Bücher und praktische Ratgeber über dieses Thema auf dem Markt, die Feng Shui als „leichte Kost“ kommerzialisieren und das ursprüngliche Wissen verzerren und verwässern.
Was als Feng Shui in der westlichen Welt populär geworden ist, ist leider oft so seriös wie das Horoskop in Ihrer Tageszeitung und sollte mit ähnlichem Humor betrachtet werden.
Doch was ist Feng Shui nun wirklich?
Traditionelles Feng Shui basiert auf zwei Grundpfeilern: die Kompassschule und die Formschule. Während die Kompassschule auf mathematischen Formeln, astronomischen und kalendarischen Aspekten basiert, gründet die ältere Formschule auf Anschauung der Landschaft sowie Lage und Formen von Orten. Sowie das Leben und alle damit zusammenhängenden Phänomene sich nie auf nur eine Ursache zurückführen lassen, sondern vielmehr immer das Ergebnis aus einer Fülle von Vorbedingungen und wirksamen Faktoren sind, so ist Feng Shui als ein Abbild dieser Wirklichkeit keine eindimensionale Wissenschaft basierend auf nur einer Darstellungsebene. Diese beiden Schulen mit ihrer Vielzahl von Regeln und Grundlagen, die sich sogar teilweise widersprechen können, sind bei einer qualifizierten Betrachtung in der Lage, Aussagen zu Qualitäten von Ort und Zeit zu treffen.
Was unterscheidet eine solche qualifizierte Betrachtung vom „Kaffeesatz lesen“? Der ambitionierte Feng Shui-Berater hat bei mindestens einem Meister die Grundlagen beider Schulen als feste Regeln studiert. Dabei wurde durch eigene Beobachtungen und im Dialog mit dem Meister die Wahrnehmung von Ursache und Wirkung geschult. Diese Sensibilität wird im Lauf der Zeit immer weiter vertieft und löst sich mit der Zeit von den anfangs starren Regeln zu wirklich lebendiger Erkenntnis, basierend auf alter Tradition und wirklich selbst Erlebtem. Es kann nur als lebendige Schule die ständig lernt und lehrt wirken. So betrieben können mit Feng Shui Orte verbessert und gute Zeitpunkte festgelegt werden. Dabei darf die Aussage des Feng Shui nicht als absolute Größe betrachtet werden. Feng Shui zeigt nur Potentiale. So wird ein gesunder und aktiver Mensch auch unter ungünstigen Bedingungen erfolgreich arbeiten und leben können, aber nicht zu seiner vollen Leistung gelangen. Andererseits kann Feng Shui eine ungesunde Lebensweise oder ein stumpfes Wesen nicht ausgleichen. Es kann nur einen Rahmen zur vollen Entfaltung der Persönlichkeit schaffen. Der erfahrene Feng-Shui-Berater bezieht alle diese Faktoren in seine Beratung mit ein. Was helfen einem im Weltlichen verhafteten Materialisten feinstoffliche Ratschläge? Hier wird man mit auf den Kunden zugeschnittenen Ratschlägen die Tür zu den ersten Schritten auf dem Weg eines wachsenden Menschen öffnen. Die in vielen Büchern angepriesenen Tipps und Hinweise zum Do-it-yourself-Feng-Shui sind ungefähr so hilfreich wie die detaillierte Beschreibung zur Selbstoperation eines akuten Blinddarmdurchbruchs. Niemand kann sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Feng Shui ist Veränderung und Heilung. Es ist ein Weg, der dem Mystischen durchaus nahe kommt.
Es gilt Räume und Orte zu schaffen, die in guter Resonanz mit dem Bewohner stehen. Hierfür werden die Resonanzen des Menschen sowie des Ortes ergründet, und dann werden die Potentiale des Ortes mit Formen, Farben und Richtungen dem Menschen nutzbar gemacht. Wenn dieses gelingt, beginnen Bewohner und Umfeld in Einklang zu geraten. Daraus entstehen Ruhe, Zufriedenheit und Kraft.
So versteht sich, dass Feng Shui nicht nur die Kunst der schönen Innenräume ist.
Eine der Grundlagen der traditionellen Chinesischen Wissenschaften ist die mystische Erkenntnis, dass Himmel, Mensch und Erde eine Einheit bilden. Der Mensch verbindet Himmel und Erde. Hier zeigt sich die Bedeutung dieser Kunst. Neben dem Yin-Feng Shui zur Errichtung von Gräbern, das in unserem Kulturkreis kaum bekannt ist, wurde Yang-Feng Shui entwickelt zur Stadtplanung und Errichtung von Palästen. Und was für die Stadt gilt, hat auch bei der Betrachtung einzelner Gebäude und Räume noch Bedeutung.
Ähnlich der traditionellen Chinesischen Medizin basiert auch Feng Shui auf den Prinzipien der beiden Polaritäten Yin und Yang, die als Urkräfte hinter den fünf stetigen Wandlungsphasen der Natur in Ihren Entsprechungen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser stehen. Diese Wandlungsphasen oder Energieformen, auch „5 Elemente“ genannt, und deren Beziehungen zueinander sind ein Modell für alle existierenden Prozesse sowie lebende und unbelebte Dinge. Sie finden sich z.B. wieder in Farben, Formen, Himmelsrichtungen, Jahreszeiten, Lebensalter, Klängen, Geschmack oder Emotionen.
Während in der Chinesischen Medizin die Prozesse im Körper mit Kräutern, Diätetik und Akupunktur beeinflusst werden, bedient sich der Feng Shui-Planer Formen, Materialien und Farben, um förderliche Energiepotentiale zu unterstützen, ungünstige Faktoren zu schwächen und die vorhandenen Elemente zu harmonisieren.
So können farbige Flächen ähnlich Akupunkturnadeln gezielt eingesetzt werden, um Räume, Menschen und Energien miteinander zu harmonisieren und in Einklang zu bringen.
Für mich als Gestalter ist Feng Shui daher ein wunderbares Hilfsmittel, um in der Planung harmonische Symphonien zu komponieren, die auf uns wohltuend und förderlich wirken. Es ist ein Weg vom unbewussten Gestalten zur bewussten Schönheit.