ÖKO-Landbau unter Druck

Seit September 2001 können Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft mit dem staatlichen Bio-Siegel gekennzeichnet werden. Das Bio-Siegel ist das staatliche verbandsunabhängige und markenübergreifende Erkennungszeichen für biologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel.
Mit diesem Siegel gekennzeichnete Produkte erfüllen nur die Mindeststandards (Minimalstandard) für die Erzeugung von Lebensmitteln aus kontrolliert-biologischem Anbau. Die Mindest -Standards sind seit 1991 in der EG-Öko-Verordnung festgelegt.
"Nur wo ‘Bio’ oder ‘Öko’ drauf steht, ist auch ‘Bio’ oder ‘Öko’ drin", denn "Bio" und "Öko" sind geschützt.

Achtung: Es gibt zurzeit noch einige Lebensmittel, deren Warenzeichen mit dem Wort-Bestandteil "bio" vor Inkrafttreten der Öko-Verordnung eingetragen und geschützt wurden. Sie dürfen diese Bezeichnung bis zum Jahr 2006 weiterhin tragen, obwohl sie nicht biologisch erzeugt werden. Zum Beispiel "Biofit", "Bioreform" oder "Bioghurt".

Auf vielen Bio-Lebensmitteln findet sich außer dem Bio-Siegel auch ein Zeichen der 8 ökologischen Anbauverbände: Biokreis, Bioland, Biopark, Demeter, Ecovin, Gäa, Naturland oder Ökosiegel. Das bedeutet, dass bei der Erzeugung des Produktes neben der EG-Öko-Verordnung dieweitaus  strengeren Richtlinien des jeweiligen Verbandes eingehalten wurden.

Biosiegel nicht aussagekräftig

Schaut man sich diese Standards genauer an, so sind diese Mindeststandards im Vergleich zu den Richtlinien der Anbauverbände unbefriedigend. So ist es z.B. möglich, innerhalb eines Betriebes, sowohl biologisch als auch konventionell zu wirtschaften.

Wir finden das ist nicht in Ordnung. Für uns unverständlich ist auch, die Zulassung chemisch gebeizten Saatgutes. Dadurch wird die Hemmschwelle für den „Gemischtbetriebler“ verringert nicht doch mal hie und da mit einem chemischen Mittelchen nachzuhelfen, wenn es mal zwickt. Die damals  eingeführten Standards liegen deutlich unter  dem Niveau der Anbauverbände! Der Abstand zur konventionellen Anbauform ist unserer Ansicht zu gering, was wir nicht unterstützen können.

Sehr fraglich ist, dass es für den Einsatz von Stickstoffdünger (Nitratproblematik) keine Regelung gibt. Das ist nicht der richtige Weg zur Erzeugung hochwertigster Lebensmittel und ist problematisch in Hinsicht auf die Nitratgehalte im Wasser und in den Lebensmitteln.

Bio-Lebensmittel für Verbraucher

Die Bio-Idee wird durch die EG Öko-Verordnung leider verwässert. Für Verbraucher, die Wert legen auf ein authentisches Bio-Produkt, ist das Bio-Siegel somit nicht die ausschließliche Entscheidungshilfe! Vielmehr ist der Verbraucher angehalten, im Prinzip wie schon vor der Einführung des Siegels, auch darauf zu achten, ob der Artikel nur nach den Mindeststandards oder auch nach den Richtlinien eines Anbauverbandes erzeugt wurde.

Zum Glück gehört die überwiegende Anzahl der Bio-Betriebe einem Anbauverband an, so dass die Auswahl noch nicht problematisch ist. Dennoch möchten wir den Anfängen wehren. Denn wir möchten nicht unterstützen, dass es möglicher  Weise eines Tages statistisch zwar viel Bio-Anbau gibt, dieser aber nur nach den MindestStandards durchgeführt wird.

Verschlechterung der Produktqualität

Eines ist nämlich klar. Die reinen EG-Bio Betriebe  haben einen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber den  Betrieben die nach den Anbaurichtlinien der Verbände arbeiten. Würde dann die mehr erzeugte Bio-Ware  zu einer Preissenkung für die Erzeuger führen, dann müssten die Verbands-Bio-Betriebe um ihre Existenz fürchten. Die Folge wäre eine schleichende Verschlechterung der Bio-Qualitäten zu Gunsten eines billigeren Preises.

Der wirtschaftliche Druck ist für einige Betriebe bereits jetzt schon groß genug, so dass in der jüngsten Vergangenheit bereits Betriebe schließen mussten, weil die Preise zu stark gefallen waren. Ein wirtschaftlicher Anreiz für den Wechsel von konventionellem auf Bio-Anbau ist bereits jetzt nicht mehr vorhanden.

Die noch vor einigen Monaten geäußerte Prognose, dass durch mehr Bio-Anbau die Preise für den Verbraucher sinken würden, ist unserer Ansicht nach unrealistisch.


Dieser Fachartikel passt thematisch zu Ökolandbau, Bio-Lebensmittel, Bioprodukte, EG-Biosiegel, Naturprodukte, Qualität.
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