Sitzenbleiben in der Schule: Positionen und Fakten

Ein paar Zahlen aus dem Bildungsbericht 2006 vorweg. Der Bildungsbericht wurde im Auftrag der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung produziert: Insgesamt 252.829 Schülerinnen und Schüler — so der Bericht — mussten im Schuljahr 2004/2005 eine Klasse wiederholen, in Bayern waren das mit 4,1% aller Schülerinnen und Schüler besonders viele, in Baden-Württemberg mit 1,9% besonders wenige Kinder und Jugendliche.

In Berlin werden zurzeit die rechtlichen Möglichkeiten, das „Sitzen bleiben“ abzuschaffen, von der regierenden Koalition geprüft. Und auch die schleswig-holsteinische Ministerin für Bildung und Frauen sowie Vorsitzende der Kultusministerkonferenz Ute Erdsiek-Rave sieht das „Sitzen bleiben“ als „Relikt aus der pädagogischen Mottenkiste“. Das stößt allerdings nicht überall auf Gegenliebe.

Im Jahr 2002 startete beispielsweise das Magazin SPIEGEL eine Umfrage: In ihr sprachen sich nur etwa 26% der Befragten eindeutig gegen das „Sitzen bleiben“ aus. Etwa 66% waren dafür, das „Sitzenbleiben“ beizubehalten. Passende Argumente könnte den Letztgenannten eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahre 2004 liefern. Die Studie kam zum Ergebnis, dass Sitzenbleiber bessere Schulleistungen zeigen als Schülerinnen und Schüler mit gleichem Leistungsniveau, die immer wieder versetzt werden. Das könnte allerdings daran liegen, dass an deutschen Schulen kaum individuell fördernde Maßnahmen wie etwa in den Schulen Finnlands greifen.

Deutsche Eltern sind noch immer fast ausschließlich auf Nachhilfe und gute Nachhilfelehrer angewiesen, wenn sie etwas für den Notendurchschnitt ihres Kindes tun möchten. Nachhilfe ist ein gutes Instrument, aber bisher allein von der Initiative der Eltern abhängig. Das Schulsystem lässt sie dabei in Deutschland noch weitgehend im Stich. Bleibt zu hoffen, dass sich das ändert.


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